Kategorien
Kolumne-Adriaan

Wann hast du das letzt mal gelächelt?

Wann hast du das letzte Mal auf der Straße jemanden gegrüßt oder angelächelt? Wann hast du dich bewusst dafür bedankt, dass du heute warme Kleidung trägst oder genug zum Essen hattest? 

Unsere Welt wird immer kurzlebiger, unpersönlicher und oberflächlicher. In den „Sozialen“ Medien sehen wir hinter Filtern versteckte Menschen die anderen ein Leben vorspielen, welches sie nicht führen. Menschen, die überteuerte Markenkleidung tragen, die sich die meisten nicht leisten können um letztendlich andere zu „beeindrucken“, die sie nicht mögen. Jeder möchte etwas darstellen, jemand sein, auffallen und natürlich dazugehören. Aber wer bin ich, wenn ich gefälschte Kleidung kaufen um zu tun als hätte ich das Geld mir diese leisten zu können? Wer bin ich, wenn ich mir Follower kaufe um zu tun, als wäre ich beliebt. Wer bin ich, wenn ich andere Menschen abschätzig behandle, weil ich denke ich wäre etwas Besseres?

Der Mensch als Persönlichkeit zählt nicht mehr, sondern nur das Bild was um ihn herum erschaffen wird. Echte Bindungen werden schwerer, Beziehungen gehen schneller in die Brüche, „es gibt ja genug andere“. 

Obwohl ich ein großer Fan der Digitalisierung bin, finde ich die Entwicklung in diese Richtung gefährlich, gerade auch weil ich mitbekomme, wie immer mehr junge Menschen mit Depressionen, Mobbing und Gewalt zu kämpfen haben. 

Ich glaube wir müssen anfangen bewusster zu leben. Überleg dir jeden Morgen drei Dinge für die du dankbar bist. Das können so simple Dinge sein wie: Ich bin dankbar dafür, dass heute die Sonne scheint, dass ich sehen kann, dass ich einen tollen Partner hab. Grüße einen alten Menschen, schenke ihm ein Lächeln, du wirst sehen wie erstaunt sie zunächst sind und dann siehst du diese Freude, dieses Glitzern in den Augen. Nimm diese Freude, diesen Moment mit in deinen Tag. Versuche jeden Tag der beste Mensch zu werden der du sein kannst. Hilf anderen ohne eine Gegenleistung, aber denke auch daran, an dich zu denken, sag auch mal „Nein!“, denn wenn du „Nein“ zu anderen sagst, sagst du automatisch „Ja“ zu dir! Wir alle können mit unserer Art, unserem Handeln etwas zu einer besseren Gesellschaft beitragen, wir müssen nur anfangen

Ich selbst habe auch lange Zeit falschen Idealen festgehalten, dachte ich wäre etwas Besseres, bis ich angefangen habe mich wirklich mit mir zu beschäftigen und meine Wahrnehmung auf die Welt zu ändern. Niemand ist perfekt und wird es auch nicht sein aber denke daran: Der Weg ist das Ziel.

 Das erste Bild: Copyright: Shace die anderen beiden Copyright: Adriaan van Veen.

Weitere Beiträge von Adriaan

Instagram

Kategorien
Kolumne-Adriaan

Mein erster Tag am Filmset

Ich erzähle euch heute von meinem ersten Tag am Filmset für die Krimi-Serie „Die Chefin, (ZDF)“. Der Tag begann damit, dass ich mit einer großen BMW-Limousine vom Hotel in München abgeholt und ans Filmset, einem Yachthafen gefahren wurde.

Es war ein wunderschöner warmer Sommertag mit blauem, wolkenklarem Himmel. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich auf dem Wasser und es wehte eine feine Brise.

Am Set angekommen wurde ich bereits von der Aufnahmeleitung freundlich empfangen. Sie führte mich durch eine Menge von sogenannte „Trailern“. Das sind im Prinzip Campingwagen, die speziell umgebaut wurden und als Aufenthalts- und Rückzugsräume für die Schauspieler dienen. Außerdem standen überall LKWs mit Filmtechnik herum. Es herrschte reger Betrieb, denn die meisten Crew-Mitglieder waren lange vor dem Eintreffen der Schauspieler vor Ort, um den Drehtag vorzubereiten. Nach einer Weile kamen wir an meinem Trailer, an dessen Außenseite ein Schild mit meinem Rollennamen hing, an. Drinnen hing feinsäuberlich mein Kostüm welches ich direkt anzog, denn viel Zeit blieb nicht. Weiter ging es zum Trailer in dem die Maske untergebracht war. Mein Kollege Jürgen Tonkel begrüßte mich. Ein wirklich lustiger und fröhlicher Mensch.

Nachdem wir beide „Drehfertig“ waren, begrüßte uns der Regisseur Florian Schott, den ich schon vom Vorgespräch kannte und ich lernte die zwei anderen, wirklich großartigen Schauspielerinnen, mit denen ich meine Szenen spielten sollte, kennen. Katharina Böhm und Dagny Dewath. Der erste Drehtag ist immer besonders aufregend, da man so viele neue Gesichter kennenlernt, das erste Mal zusammen vor der Kamera spielt und einfach von den vielen Eindrücken erschlagen wird. Wir gingen unsere Texte gemeinsam durch und erhielten letzte Anweisungen von der Regie, dann rief eine Stimme aus dem Hintergrund: Schauspieler bitte ans Set.

Als wir ankamen war alles vorbereitet. Wir wurden vom Tonmeister mit Micros verkabelt, die Kamera war bereit, das Licht stimmte, die Maske korrigierte letzte Glanzstellen. Im Hintergrund wurden die Komparsen instruiert. Jetzt hieß es konzentrieren, bloß den Text nicht vergessen und trotzdem locker und entspannt wirken. Mindestens 20 Leute standen um einen herum, was die Anspannung natürlich zusätzlich erhöhte. Nachdem alle Departments (Crew-Abteilungen wie z.B. Ton, Licht, Kamera) ihr „set“ (bereit zum drehen) gegeben hatten und der Regisseur „und bitte“ rief, ging es los. Ab diesem Moment war ich in meiner eigenen Welt, ich sah nur noch meine Kollegen und spielte meine Rolle die ich lange vorbereit hatte. Die Szene ging schneller vorbei als ich denken konnte. Der Regisseur rief „danke“ und die Kamera wurde umgebaut, um verschiedene Einstellungen und Perspektiven aufzunehmen. Das ist für das Schneiden im Nachgang wichtig. Nach ca. 16 Takes (Aufnahmen) war die Szene im Kasten und ich war froh und glücklich, dass alles so gut geklappt hatte. Zeit gibt es eher selten im Überfluss an einem Filmset und so ging es auch schon direkt weiter zur nächsten Szene.

Zwischendurch wurden wir Schauspieler immer wieder gefragt, ob es uns gut geht, was wir trinken möchte, uns wurden Stühle geholt, nach jedem Take standen Crew-Mitglieder mit einem Sonnenschirm neben uns, um uns vor der starken Sonne zu schützen. Am Anfang dachte ich mir, meine Güte wie übertrieben, aber da ich nun weiß wie teuer und schlimm es für eine Filmproduktion ist, wenn ein Schauspieler wegen Krankheit ausfällt, verstehe ich warum man so „betüdelt“ wird. Ein Tatort kostet zum Beispiel im Durchschnitt 1,5 Mio. Euro. Da kann man sich vorstellen, was der Ausfall eines Schauspielers für Folgen hat.

Das Leben am Filmset ist ein ganz Besonderes. Manchmal kommt es mir so vor, als würde man in einem kleinen eigenen Dorf leben. Gerade wenn man über Wochen zusammenarbeitet wird die Crew zu deiner Familie und es ist ein wunderbares Gefühl dazuzugehören. Umso komischer ist es, wenn von heute auf morgen alles vorbei ist. Man sitzt wieder zuhause, warte auf das nächste E-Casting, die nächste Rolle, trainiert täglich um bereit für das nächste Projekt zu sein.

Für mich ist manchmal schwer, wieder in den Alltag zu finden. Aber es geht weiter, immer weiter mit einem klaren Ziel vor Augen. Ich bin so dankbar und froh, dass ich mit 28 mein Leben komplett geändert und mich dem Schauspiel gewidmet habe.

Gerade habe ich übrigens meinen ersten Kinofilm gedreht.

Weitere Beiträge von Adriaan

Instagram

Kategorien
Kolumne-Adriaan

Wie bekommt man eigentlich eine Rolle in einer Serie oder einem Film und was tun Schauspieler, wenn sie gerade nicht drehen?

Viele Menschen haben ein völlig falsches Bild vom Beruf des Schauspielers. Möchte man den Beruf des Schauspielerst erlernen, sollte man sich zunächst an einer Schauspielschule bewerben. Nur wenige der vielen Bewerber können aufgenommen werden. So kommt es vor, dass viele von Vorsprechen zu Vorsprechen fahren und damit 1-2 Jahre ins Land ziehen, bevor sie an einer Schule aufgenommen werden. Nach der Aufnahme folgen 3-4 Jahre Ausbildung in den verschiedensten Unterrichtsfächern. Schauspiel, Stimmbildung, Tanz und Bewegung, Geschichte und je nach Schule weitere Fächer. Die Ausbildung endet mit dem Vorsprechen vor einem Gremium und im Erfolgsfall mit der Bühnenreife oder als staatlich anerkannter Schauspieler. Ein weiterer Weg ist es, Schauspiel zu studieren. Zu guter letzt bleibt der aus meiner Sicht schwerste Weg, den des Autodidakten. Letzteren wählte ich. 

 

Die Schauspielausbildung in der Tasche und nun? Der nächste Schritt hin zu einer Rolle im TV wäre, die passende Schauspielagentur zu finden, die bereit ist dich zu vertreten. Doch dafür braucht man erstmal Material welches man präsentieren kann und die richtigen Plattformen wo die Inhalte hochgeladen werden. Jeder Schauspieler sollte auf den gängigen Casting-Portalen (Datenbanken) wie Filmmakers, Schauspielervideos, Castforward und Castupload registriert sein und am besten einen Premiumeintrag besitzen. Dafür zahlt man pro Plattform zwischen 80-150€ pro Jahr. Bevor man also überhaupt auch nur einen Cent verdient hat, muss man erstmal investieren. Für die Casting-Portale benötigt man wiederum Schauspielbilder, Videomaterial und am besten noch ein About-Me-Video. Für gute Schauspielbilder gibt man gut und gerne 500-750 € aus. Für professionelle Videos kann man nochmal mit 500-1500 € rechnen. Was außerdem gerne gesehen wird, ist ein „About-Me-Video“ in dem sich der Schauspieler maximal 2 Minuten auf beliebige Art und Weise vorstellen kann. Jetzt kann es endlich ans Bewerben bei den Schauspielagenturen gehen. Hat man die passende Agentur gefunden, dann stellt sich noch immer die Frage: Wo sind jetzt die TV-Rollen?

 

Um an eine Rolle zu gelangen gibt es verschiedene Wege. Ich beschreibe hier einmal den gängigen Weg. So erhalten die Agenturen Rollenausschreibungen von Castern und schlagen dann passende Schauspieler aus der eigenen Agentur vor. Ein Caster hat umfangreiche Kenntnisse der Schauspielerschaft, eine Vision der Rolle und meist schon Personen für eine entsprechende Rolle im Kopf. Die Schauspieler werden daraufhin angefragt, ob sie im genannten Drehzeitraum überhaupt verfügbar sind. 

 

Wie bei allen Dingen im Leben, lohnt es sich auch selbst aktiv zu werden und Rollen aufzuspüren. Hierfür kann man zu Netzwerken oder auf Filmfestivals gehen, um gesehen und wahrgenommen zu werden. Jeder Schauspieler muss zudem lernen, mit Absagen umzugehen, denn diese kommen im Vergleich zu Zusagen deutlich häufiger vor.

 

Wer nicht gerade dreht, sollte stets bemüht sein, sein Bild- und Videomaterial aktuell zu halten, an seinen Schauspieltechniken zu feilen, zum Beispiel durch die Teilnahme an Schauspielworkshops und natürlich seinen eigenen Körper gesund und fit zu halten. Wer es schafft, im Jahr auf 30 Drehtage zu kommen, die Einstiegsgage pro Drehtag liegt bei 850€, verdient also nicht gerade viel und darauf sollte man definitiv vorbereitet sein. 80% der Schauspieler können nicht von der Schauspielerei leben. Ein Grund mehr für mich, mich jeden Tag mehr anzustrengen, um zu den 20% zu gehören, die damit ihren Lebensunterhalten verdienen können. 

 

Der Artikel soll lediglich dazu dienen ein grobes Verständnis für den Prozess von der Ausbildung bis zur ersten TV-Rolle zu bekommen und Außenstehenden vermitteln, wie viel Arbeit, Fleiß und Ausdauer benötigt wird, um im Schauspiel Fuß zu fassen. 

 

Bitte entschuldigt, dass es keinen Artikel von mir im letzten Heft gab. Der Grund dafür war jedoch ein sehr erfreulicher. Ich bin nämlich aktuell sehr gut beschäftigt und drehe in Kürze meinen ersten Kinofilm. Im nächsten Heft erzähle ich Euch, wie ein klassischer Tag am Filmset abläuft. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich in den sozialen Medien mit einem „Follow“ unterstützt. Instagram: @adriaan.vanveen

Instagram: @adriaan.vanveen

Fotos: Adriaan van Veen

Kategorien
Kolumne-Adriaan

„Willkommen in der TV-Branche“

Es ist nicht immer Gold was glänzt.

Rote Teppiche, Premieren, Ruhm, viel Geld. So stellen sich viele die Welt der Schauspieler vor. Dies trifft allerdings nur auf einen kleinen Bruchteil zu. 80 Prozent der Schauspieler können nicht von der Schauspielerei leben und müssen mit Nebenjobs ihren Lebensunterhalt verdienen. Um ehrlich zu sein, ich hatte es mir auch anders vorgestellt. Tatsächlich aber ist es ein lebenslanges Lernen, sich als Mensch weiterentwickeln, mit Zurückweisung umgehen lernen. Man muss für diesen Beruf brennen und mit vollem Herzen dabei sein.

Was ich bei vielen Menschen beobachte ist, dass sie unzufrieden mit ihrem Beruf sind, weil er ihnen keinen Spaß macht oder sie mehr verdienen wollen um sich neue Dinge zu kaufen. Was machen sie also? Sie suchen sich einen neuen Arbeitgeber der etwas mehr bezahlt aber wirklich glücklicher werden sie nicht. Warum? Die Lösung ist nicht, bei anderen zu schauen, ob sie einen ein besseres Angebot bieten, sondern bei sich selbst zu schauen, was kann ich besseres anbieten? Wie kann ich meinen eigenen Wert erhöhen damit andere bereit sind deutlich mehr für mich zu bezahlen? Zum Beispiel indem ich eine neue Fähigkeit erlerne, fleißiger bin als andere, meine Freizeit zum Teil nutze um mich weiterzuentwickeln.

Dass es für mich nicht einfach werden würde ohne Schauspielausbildung war mir klar, aber das motivierte mich zusätzlich. Ich habe früher oft Zurückweisung in der Schule (Freie Waldorfschule Hannover-Bothfeld) erfahren, von der ich beinahe geflogen wäre, was zum Großteil an mir selbst lag. Danke an dieser Stelle an meine geduldigen Klassenlehrer Barbara Seehawer und Till Ungefug.

Ich wurde schon immer für Dinge die ich tat belächelt und nicht ernst genommen und dies bis heute. Ich glaube, dadurch habe ich eine ganz besondere Motivation, den Menschen und vor allem mir selbst beweisen, dass ich alles schaffen kann, was ich mir in den Kopf setze.

Ich übte also fleißig weiter und besuchte Workshops und Weiterbildungen, unter anderem auch eine Weiterbildung am Actors Space in Berlin bei André Bolouri. Der Unterricht war in 5 Fächer aufgeteilt. Das Hauptfach war die sogenannte „Meisner-Technik“ welches eine sehr bekannte Schauspieltechnik ist. Die wohl bekannteste Übung daraus ist die „Repetition“ in der es darum geht, deinem Spielpartner ganz genau zuzuhören, sein Verhalten zu beobachten und das Gesprochene zu wiederholen. Eine genauere Erklärung wäre an dieser Stelle zu viel. Weitere Fächer waren: Casting-Training bei Natalie Novag, Stimmtraining nach Linklater bei Susanne Eggert, Movement bei Robert Liethoff und Camera-Acting bei Dominik Stegmann.

Die Zeit in Berlin war für mich eine ganz besondere. Ich hatte das Glück, bei meinem lieben Freund der Berliner Ikone Günther Krabbenhöft unterzukommen. Ein ganz lieber Freund, dem ich hiermit einen Gruß sende.

Neben den Schauspielübungen, war für mich auch meditieren, visualisieren ein wichtiger Bestandteil meines Tages. Ich glaube sehr stark an den Effekt der Resonanz. Je mehr ich mich mit meinen Zielen beschäftigte, umso mehr passierte in meinem Leben. Ein einfaches Beispiel dafür ist wohl, wenn man sich ein neues Auto gekauft hat, sieht man dieses auf einmal überall fahren, weil der Fokus plötzlich ein ganz anderer ist. Zu Beginn habe ich nicht wirklich daran geglaubt, dass Dinge die man sich vorstellt tatsächlich das reale Leben beeinflussen können. Aber je mehr Dinge tatsächlich passierten, umso mehr glaubte ich meinen eigenen Glaubensätzen, was wiederrum dazu führte, dass sich die Wirkung dieser verstärkte.

Zwei konkrete Beispiele, die für mich immer noch unfassbar sind. Zwei Monate stelle ich mir täglich vor, wie ich eine große Hauptrolle in einer Serie bekomme und meinem Mentor Francisco Medina (u.a. Schauspieler bei Alles was zählt), davon berichte und wir uns vor Freude in die Arme laufen. Ist sowas möglich? Nur durch Vorstellung Dinge im realen Leben zu beeinflussen?

Es war ein heißer Sommertag, ich war zu der Zeit noch in Berlin, bekam ich einen Anruf einer Film-Produktion, bei der ich ein E-Casting gemacht hatte und bekam meine erste Hauptrolle. Verrückt wurde es aber erst durch die Dinge, die danach passierten. Am selben Tag rief mich Francisco wie aus dem nichts an und sagte, dass er gerade in Berlin wäre und ob wir uns nicht spontan treffen wollten? Er nannte mir die Straße, die lustiger weise nur fünf Minuten von mir entfernt war. Dann passierte das, was ich mir die ganze Zeit vorgestellt hatte. Francisco wusste bereits von meiner Besetzung. Wir liefen aufeinander zu und umarmten uns, ein wirklich magischer Moment. Ich konnte es einfach nicht fassen, wie war es möglich, dass genau das eintraf, was ich mir so lange vorgestellt hatte und alles an einem einzigen Tag? War das Ganze nur Zufall oder funktionierte diese Technik tatsächlich?

 

Für mich ging es zunächst nach Köln, wo ich meine Dreharbeiten aufnahm. Freizeit und Wochenende waren nun komplett von meiner Rolle beschlagnahmt. Fünf Drehtage pro Woche. Der Tag startete für mich um sechs Uhr morgens, nachdem ich mich fertig gemacht hatte ging es ans Set. Täglich wurden bis zu acht Szenen gedreht, was ein ordentliches Pensum ist. Nach Drehschluss ging es, sofern ich nicht so übermäßig viel Text für den nächsten Drehtag hatte, ins Fitnessstudio und zum Abschalten in die Sauna, danach dann nach Hause, Text lernen bis spät abends. Am Wochenende wurde sich auf die kommende Woche vorbereitet. So ging es fünf Monate. Mit den Kollegen kam ich sehr gut aus, zumindest dachte ich das. Ich war stets freundlich, gut gelaunt und verbreitete eine positive Stimmung am Set. Was ich nicht wusste, dass einige Personen, warum auch immer, Dinge über mich bei der Produktion erzählten die mich in einem sehr schlechten Licht darstellten, um dies nett auszudrücken. Außerdem wurde das Arbeitsklima zunehmen durch wirklich schlechte Produktionsbedingungen und die Stimmung am Set vergiftet. Dennoch ließ ich dies nicht an mich rankommen, war jeden Tag perfekt vorbereitet und behielt mein Lächeln und meine positive Art.

Ein Brief, den ich am letzten Drehtag von einer Person in einer hohen Funktion erhielt, hat mich sehr berührt und gefreut. Neben denen, die Lügen über mich verbreiteten, gab es Menschen, die mich sehr schätzten was ein tolles Gefühl ist.

Hier ein Auszug aus dem Brief:

„Anfangs dachte ich noch, du kannst deine positive, energiegeladene Art nicht jeden Tag am Set an den Tag legen. Aber du hast mich eines Besseren belehrt. An deiner Arbeitsmoral kann sich jeder ein Beispiel nehmen (auch wenn ich dir trotzdem weiterhin rate, es nicht zu übertreiben und auch mal runterzufahren). Ich finde, du warst eine Bereicherung und wünsche dir weiterhin viel Erfolg.“

Wer aufgepasst hat, weiß, dass ich bisher nur ein Beispiel bezüglich der Wirksamkeit von Visualisierungen gegeben habe. Hier kommt Nummer Zwei. Ein Jahr nachdem ich meinen ersten Schauspiel-Workshop bei Francisco Medina gemacht hatte, bei dem mir bei einer Szene gesagt wurde „Das ist das schlechteste, wie man Schauspielen kann“, fand wieder ein Workshop statt, genau in den selben Räumlichkeiten. Ich war extrem aufgeregt, was würde diesmal passieren? Hatte mein Schauspieltraining was gebracht? Ich stelle mir täglich vor, wie ich vor den Castern, Schauspielern, Agenten und natürlich Francisco vorspielte, positives Feedback bekommen würde und für „Alles was zählt“ oder „Unter uns“ besetzt werde. Ich wusste, das eine Casterin dort sein würde, die diese Formate besetzt. So aufgeregt wie ich an diesem Tag war, war ich glaube ich noch nie und tatsächlich, Francisco war mit meiner Leistung sehr zufrieden und ich bekam großes Lob von allen Seiten, für das, was ich in einem Jahr geschafft hatte. Außerdem erhielt ich im Anschluss ein Angebot einer Agentur, dessen Agent mich dort gesehen hatte. Doch mit der Rolle wurde zunächst nichts. Wäre auch zu schön gewesen aber dann passierte doch etwas. Drei Monate später bekam ich tatsächlich eine Rolle bei „Unter Uns“, besetzt wurde ich von Tina Rinderspacher die mich bei Francisco im Workshop gesehen hatte. Ich war einfach nur überwältigt, dankbar und glücklich. Mein Fleiß hatte sich ausgezahlt.

Jetzt wollte ich es wissen! Ich merkte, dass ich eine reale Chance hatte in der TV-Branche, also ging es für mich weiter mit Workshops, lernen, lesen und schauen. Ich hatte zwar ein Angebot einer Agentur vorliegen, allerdings sagte mir diese nicht zu. Ohne Agentur ist es allerdings nicht einfach, an Rollen zu kommen und so machte ich mich auf die Suche und landete über eine Empfehlung bei der Agentur Frehse in München bei der ich aktuell unter Vertrag bin. Nach anderthalb Jahren als kompletter Anfänger und Autodidakt hatte ich es geschafft, eine professionelle Schauspielagentur zu finden und mein Start hätte besser nicht sein können. Meine erste Rolle für die Öffentlich-Rechtlichen (ZDF) erhielt ich exakt eine Woche nachdem ich in die Agentur aufgenommen wurde. Ich drehte für „Die Chefin“, lernte zum ersten Mal ein wirklich großes Filmset kennen. Ein tolles Gefühl, Teil eines so tollen Teams zu sein. Florian Schott führte Regie. Ein großartiger Regisseur, der sich für Jeden Zeit nahm, um das beste aus der Rolle herauszuholen. Als wäre dies nicht schon großartig genug, war ich in diesem Jahr noch im Finale für eine große Hauptrolle eines TV-Mehrteilers, erhielte eine Anfrage für den Tatort sowie für Netflix-Produktionen; leider bekam ich keine dieser Rollen was mich aber nicht traurig machte, denn es bedeutet, man wurde gesehen, man ist interessant. Mein Ziel war es, nach fünf Jahren für Netflix zu drehen. Ich werde dieses Ziel sehr viel schneller erreichen, da bin ich mir sicher. Egal wie viele Menschen nicht an mich glauben, falsche Dinge über mich verbreiten oder mich belächeln, ich werde weiter machen bis nach ganz oben.

Ich würde mich freuen, wenn ihr Freude an meinem Artikel hattet auch die bisher erschienen von mir lest. Außerdem erreichen mich in letzter Zeit ganz tolle Nachrichten von Lesern, über die ich mich sehr gefreut habe.

Instagram: @adriaan.vanveen

Fotos: Adriaan van Veen 

Kategorien
Kolumne-Adriaan

„Erfolg wartet außerhalb Deiner Komfortzone“

Kolumne von Adriaan van Veen

„Erfolg wartet außerhalb Deiner Komfortzone“

Hast du einen Plan-B wenn es mit dem Schauspiel nicht klappt?

Eine Frage, die ich nur zu oft gestellt bekommen habe. Meine Antwort darauf lautete immer: Wer einen Plan-B als Backup bereithält, behält sich die Option des Scheiterns vor und nutzt nicht all seine Energie für Plan A. Mit Scheitern ist nicht gemeint, Fehler zu begehen, sondern viel mehr niemals aufzugeben. Viele Fehler zu machen und daraus zu lernen, ist der schnellste Weg sich weiterzuentwickeln.

Folgender Satz meiner damaligen Model-Agentur-Chefin, war der Auslöser dafür, dass ich mich auf die Suche nach einem Schauspielcoach machte. „Es wäre gut, wenn du ein wenig Schauspielunterricht nehmen würdest, um dich in deinen E-Castings für Werbespots zu verbessern“.

Gesagt, getan. Ein Facebook-Post und drei Nachrichten später, hatte ich die private Handynummer von Francisco Javier Medina, auch bekannt als Maximilian von Altenburg aus der Erfolgsserie „Alles was Zählt“, die täglich bei RTL läuft. Wir hatten ein wirklich tolles Gespräch an dessen Ende mich Francisco fragte, ob ich nicht einfach nächstes Wochenende nach Köln zu seinem Profi-Schauspiel-Workshop kommen wollte, er hätte aus dem Gespräch mit mir ein gutes Gefühl. Ich sagte blind zu ohne groß zu überlegen, ansonsten hätte mich meine Angst vermutlich daran gehindert.

Ich bereitete eine Szene vor, die wir zugesendet bekommen hatten, diese war zu meiner Verwunderung auf Englisch. Ich verstand zwar Englisch gut und konnte mich auch unterhalten, aber eine Szene auf Englisch zu spielen war dann doch eine große Herausforderung. Was meine Nervosität zusätzlich steigerte war der Tatsache geschuldet, dass wir vor Castern aus der TV-Branche vorspielen sollten.

Sieben Tage später war ich in Köln und tauchte in eine komplett neue Welt ein. Eine Welt voller Emotionen, Gefühlen und die Frage wer bin ich eigentlich und wie sehen mich andere? Ich fühlte mich auf Anhieb wohl, weil ich so akzeptiert wurde wie ich bin und das erste Mal wirklich Gefühle zulassen konnte. Der Workshop, die Menschen und das Schauspielen, war das Schönste was ich bisher erfahren durfte. Es war zugleich der Beginn einer neuen Lebenseinstellung für mich.

Mein Bild vom Schauspielen wurde komplett neu definiert. Das liegt unter anderem daran, dass wir das Wort Schauspieler oft falsch interpretieren. Als „Schauspieler“ bezeichnet man oft Menschen die vorgeben etwas zu sein, etwas vorspielen oder lügen. Ein guter Schauspieler spielt nicht, sondern handelt aus echten Emotionen und Erinnerungen heraus. Das englische Wort „Actor“ (to act = handeln) passt deutlich besser auf den Beruf. Durch den Workshop wurde mir erst bewusst wieviel mehr hinter diesem Beruf steckt als einfaches Text lernen. Das wurde mir besonders bewusst als ich meine Szene im Workshop vorspielte und auf eine Spielsituation folgendes Feedback bekam. „Das ist das schlechteste wie man spielen kann“.

Ich war so geschockt, gleichzeitig sauer und verletzt. Dabei war es nicht böse gemeint, sondern ehrlich und direkt. Ich ließ mir meine Emotionen allerdings nicht anmerken. Man erster Gedanke war: „Fick dich“. Mein zweiter: Schauspielen ist nichts für mich. Mein dritter Gedanke: JETZT ERST RECHT, ICH ZEIGS EUCH ALLEN. ICH WERDE SCHAUSPIELER!

Mit 29 alles über Bord zu werfen, was man sich bis dato aufgebaut hatte und sich dem zu widmen, was man vom ganzen Herzen wollte, war ein großer Schritt für mich. Während meiner Schulzeit in der Freien Waldorfschule Hannover-Bothfeld spielte ich bereits Theater und stand für Der Meisterdieb, Viel Lärm um nichts von William Shakespeare und San Diego von David Greig auf der Bühne. Allerdings drückte ich mich immer vor den großen Rollen. Der Grund war die Angst zu versagen, den Text zu vergessen oder nicht gut genug zu sein. Jetzt allerdings wollte ich dies umso mehr.

Francisco Medina wurde mein Mentor und half mir sehr, mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Ich nahm Einzelunterricht, besuchte weitere Workshops, trainierte meine Stimme, schaute Videos, las Bücher und knüpfte Kontakte. Außerdem begann ich zu meditieren, meine Ziele zu visualisieren und Affirmationen in meine Morgenroutine einzubauen.

Drei Monate später besuchte ich einen weiteren Workshop und spielte wieder eine Szene vor Castern und Schauspielern vor, diesmal hatte ich eine Spielpartnerin. Die Szene lief nicht wirklich gut aber ich gab mein bestes. Man muss sich immer vor Augen halten, dass jeder bei null anfängt. Über Nacht berühmt zu werden, dauert oft viele Jahre. Als unser Schauspiellehrer mit mir in einer Situation nicht weiterkam, sagte er kurzerhand: „Stell dich auf einen Stuhl und sing deinen Text“. Ich dachte mir nur: „Alles, bloß nicht singen…“. Welche Optionen bleiben dir in dieser Situation? Du kannst es verweigern, du kannst es vorsichtig versuchen oder du lässt alle deine Zweifel und Ängste hinter dir, verlässt deine Komfortzone und gibst 120 Prozent. Es war nicht wirklich berauschend, aber darum ging es ja auch gar nicht. Ich war einfach viel zu festgefahren und überlegte zu viel anstatt einfach alles loszulassen und im Moment zu sein. Das Ende vom Lied war, dass mir meine Spielpartnerin die alleinige Schuld für die missglückte Szene gab. Das Karma war allerdings anderer Ansicht und so erhielt ich meine erste kleine Rolle in einem Dokudrama mit zwei Drehtagen für arte. Sie allerdings, ging leer aus. Danke an dieser Stelle an den Regisseur Andreas Morell, der mir diese Chance gegeben hat. Jetzt hatte ich Blut geleckt und wollte mehr. Ich bewarb mich täglich auf verschiedenste Rollen und kam so zu weiteren TV-Projekten.

Doch es wäre zu schön gewesen wenn alles weiterhin nach Plan gelaufen wäre. Der Satz „Willkommen in der TV-Branche“ bekam einen ganz neue Bedeutung. Welche negativen Erfahrungen ich mit der Presse machte und wie ich mit Neid und falschen Aussagen lernen musste umzugehen, erfahrt ihr im nächsten Heft.

Instagram: @adriaan.vanveen

Fotocredits:

1-3 3B-Produktion

4-5 Adriaan van Veen

6-7 Francisco Medina

Kategorien
BEAUTY / STYLE Kolumne-Adriaan

Vom Webdesigner und Programmierer direkt ins Scheinwerferlicht.

Vom Webdesigner und Programmierer direkt vor die Kamera ins Scheinwerferlicht. Wie passt das zusammen? Gar nicht! Muss es aber auch nicht. Warum muss immer alles direkt einen Sinn ergeben oder zusammenpassen? Warum kann man nicht einfach mal zwanglos und ohne Vorurteile Dinge ausprobieren?

Ein ehemaliger Kunde für den ich vor einigen Jahren ein Webprojekt realisiert habe, nahm mich auf ein Fotoevent mit. Nervös und ohne jegliche Erfahrung wagte ich mich an das Abenteuer „4-Tage-Shooting“ mit unterschiedlichen Fotografen. Ich hätte mich auch zunächst einen Tag versuchen können aber nein Adriaan musste natürlich wieder den „120%-Modus“ einschalten. Ganz oder gar nicht.

Bei meinen ersten Shootings wurde mir erst bewusst, dass ich zwei Arme am Körper hatte und mich fragte, was soll ich eigentlich mit denen machen? Vielleicht in die Hosentasche stecken, verschränken oder doch in die Hüfte stützen? Ach und wohin soll ich eigentlich schauen? Man musste seinen eigenen Körper ganz neu kennenlernen und vor allem das Gespür dafür entwickeln, ihn richtig und auf „Knopfdruck“ einzusetzen. Die eigene Wahrnehmung wurde eine ganz andere.

Die 4 Tage hatten es in sich und waren wirklich anstrengend, machten aber auch unglaublich viel Spaß. Ich machte Fehler, lernte daraus und wurde besser. So kam es, dass ich mit den meisten Shootings und Fotos nach Hause ging. Das bemerkten auch die anderen Teilnehmer, was nicht von allen positiv aufgenommen wurde. Sie begannen hinter meinem Rücken über mich zu reden, allerdings hatten diese Gespräche keinen konstruktiven Charakter. Als mir einige Dinge davon später zu Ohren kamen, verletzte mich das sehr und ich dachte mir, vielleicht ist diese Welt doch nichts für mich.

Nicht mit mir! Jetzt erst recht! Ich ließ mir eine Setcard erstellen und bewarb mich bei knapp 50 „People-Agenturen“ die Models für Kataloge oder TV-Werbung suchten. Nach einigen Castings nahmen mich 10 davon auf. Mein erstes E-Casting war damals für Elitepartner. Wenn ich mich zurück erinnere, kann ich nur darüber lachen wie ich versuchte, mit einem sexy Blick über die Schulter mit der Kamera zu flirten. Besetzt wurde ich nicht. Ich übte weiter und drehte bald für eine Zahnarztpraxis. Darauf folgten Modeshows für die Produktline SebMan von WELLA Deutschland. Mein Highlight war die Fashion Week in Berlin, wo ich für Harald Glööckler laufen durfte.

Parallel passierte allerdings noch etwas anderes. Ich verfolgte die immer wieder standfindenden Miss- und Mister-Wahlen der Miss Germany Corporation in der Ernst-August-Galerie und fand es unglaublich mutig, auf einer Bühne vor Publikum zu reden, zu laufen und dies von einer Jury bewerten zu lassen. Ich dachte mir: So eine Schärpe hätte ich auch gerne. Hätte aber nie gedacht das ich mich jemals trauen würde, bei solch einer Wahl teilzunehmen.

Zunächst machte ich allerdings beim Model-Casting für den Mode-Preis-Hannover mit, wurde aber zu meiner Enttäuschung nicht genommen. Durch meinen lieben Freund Günther Krabbenhöft bekam ich dafür einen Platz in der ersten Reihe der Modenschau. Neben mir saß Sandra Czok, die ich damals nur flüchtig kannte. Knapp daneben saß Rolf Eisenmenger vom Herrenausstatter LO&GO, den ich kennenlernte und ihn von meinen Plänen bei der Mister Bremen Wahl teilzunehmen unterrichtete. Eine Woche später befand ich mich in seinem Laden, wurde vermessen und trat eine Woche später mit einem Maßanzug von ihm bei der Mister Bremen Wahl an. Ich glaube ja nicht an Zufälle und so siegte ich in Bremen und erhielt den Titel Mister Bremen 2018/2019. Damit war ich automatisch Finalist der Mister Germany Wahl 2019.

Einige Sieger aus den anderen Bundesländern hatten offenbar gedacht, dass dir mit solch einer Schärpe Tore und Türen offen stehen und die Medien sich nur so auf dich stürzen würden. Dem war aber nicht so und so machte ich mich selbst daran, auf die Medien zuzugehen. Sat 1 hatte Interesse und drehte mit mir eine kurze Reportage „Wie Adriaan van Veen sich auf die „Mister Germany“-Wahl vorbereitet“. Auch die BILD, Weser Kurier, Neue Presse und weitere Zeitschriften schrieben Artikel. Mein Einsatz wurde damit belohnt, dass ich selbst Jury-Mitglied bei der nächsten Miss Schleswig-Holstein-Wahl 2019 wurde und eine Miss Wahl aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen durfte.

Danach wurde es ernst. Es ging für 2 Wochen nach Ägypten ins traumhafte Mister-Germany-Camp. „Das wird ein schöner Urlaub“, dachte vermutlich der ein oder andere. Die Tage unter Palmen verbrachten wir aber nicht im Liegestuhl am Meer. Wir hatten Fotoshootings, Interview-Trainings, Fitnesskurse, Knigge-Unterricht und übten an einer Tanz-Show mit dem Choreographen Kenny Dressler von den Sixx Paxx. Nach dem Kniggekurs machte das Essen allerdings nur noch halb soviel Spaß, da man auf alles achten musste und ständig unter Beobachtung stand. Es herrschte absolute Pünktlichkeit und Disziplin. Ein wenig Freizeit gab es dann aber doch. Diese nutzte jeder anders. Manche verbrachten die Zeit am Pool, andere lernten weiter die Tanzschritte oder verbrachten die Zeit im Outdoor-Fitnessstudio.

Nach 14 Tagen ging es zurück ins kalte Deutschland. Nun war der große Tag gekommen. Die Abläufe und Choreographien wurden immer und immer wieder geprobt. Abends war es dann soweit. Die Jury war prominent besetzt und der Saal brechend voll. Ich erhielt die Startnummer 1. Tausend Gedanken gehen dir kurz vor der Show durch den Kopf. Wie zum Beispiel: Bekomme ich alle Abläufe hin, hoffentlich vergesse ich die Tanzschritte nicht. Wie wird das Interview laufen? Und dann geht die Musik an und du weißt jetzt musst du daraus und abliefern. Du hast nur eine Chance. Die Scheinwerfer knallen dir mit voller Wucht ins Gesicht. Es ist unglaublich warm, das Publikum ist kaum zu sehen, so hell ist es, aber durch das Adrenalin was durch dein Blut schießt bist du sowieso ab der ersten Sekunde in deinem Film. Eine wahnsinnige Show, mega Stimmung und dann die Erleichterung: Alles hat geklappt. Glücksgefühle strömen durch deinen Körper, doch weiterhin bleibt die Frage, wie hat sich die Jury entschieden? Ich kam nicht unter die Top 5. Zu meiner Verwunderung machte mich das aber gar nicht traurig. Im Gegensatz zu vielen anderen, die entweder wütend oder extrem enttäuscht waren. Noch am selben Abend fasste ich den Entschluss: Wenn ich schon nicht Mister-Germany wurde, will ich dennoch der bekannteste Mister aus diesem Jahr werden. Durch meine eigene PR-Arbeit wurde ich bald zu unzähligen Events eingeladen und die Presse berichtete. Jedes Event brachte neue Einladungen hervor und ich baute mir ein riesiges Netzwerk in ganz Deutschland auf.

Viele haben mich gefragt, wie ich das hinbekommen habe. Darauf habe ich immer gesagt: Nur weil du eine Schärpe trägst, bist du nicht besser als andere. Bleib auf dem Boden und begegne allen Menschen auf Augenhöhe. Das haben die Menschen gemerkt. Ich bin immer offen auf jeden zugegangen und habe mich vorgestellt. Du weißt nämlich nie, wer tatsachlich vor dir steht. Mich freut es immer wieder zu hören, wenn Menschen zu mir sagen, du bist ja total normal, gar nicht eingebildet oder abgehoben. Das ist für mich das größte Kompliment. Warum sollte ich auch, ich bin ein Mensch wie jeder andere auch.

Meine Reise sollte weitergehen und zwar ohne Schärpe. Mein Weg ins Fernsehen gibt es im nächsten Heft.

Weitere Beiträge von Adriaan

Instagram

Fotos: Shace und Oliver Vosshage (zu finden direkt in der Bildunterschrift)

Kategorien
Kolumne-Adriaan

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Kolumne von Adriaan van Veen

 Du bist 28 Jahre alt musst 25 Mitarbeiter entlassen, weil deine Firma Insolvent ist – und jetzt? Da stehst du dann, wie das Männlein im Walde. „Adriaan du musst Aufstehen und weiter machen“, würde jeder sagen. Diese Sprüche höre ich, Adriaan van Veen dauernd, manche machen regelrecht einen Sport daraus, täglich Zitate mit Lebensweisheiten in ihren sozialen Medien zu posten, was mich persönlich ziemlich nervt, vor allem, weil sie meist nichts davon in die Tat umsetzen. Diese Zitate, Weisheiten oder wie man sie auch nennen mag, sind in der Tat sehr wertvoll und ich halte viel von ihnen. Sie sind so simpel formuliert und bringen Dinge direkt auf den Punkt. Das Problem daran ist, so simpel sie auch klingen, so schwer sind sie umzusetzen.

Mein erster Versuch, mich aus dem Loch in das ich gestürzt war rauszuholen, sah wie folgt aus: Ich fing an mich zurück zu ziehen, saß 12 Stunden pro Tag am Computer und wie alles was ich machte war ich auch in der Disziplin des Computerspielens mit vollem Einsatz dabei, sodass ich in Kürze zu den besten fünf Prozent eines sehr beliebten Ego-Shooters wurde. Auch auf dem Super Nintento schaffte ich es mit dem Spiel Super Mario Kart unter die Top 100 der Welt. „Adriaan van Veen ist einer der Besten“ sagten die anderen. Gebracht hat es mir nichts, lediglich Lebenszeit geraubt. Ab und zu ist sowas sicher ok aber nicht so exzessiv.

Das sonst so häufig besuchte Fitnessstudio sah ich nur noch in Form einer Abbuchung auf meinem Kontoauszug und als neuen Freund suchte ich mir das Süßigkeiten-Regal und Tiefkühlpizzen im Supermarkt aus. Resultat: 104 Kilogramm auf der Waage und deutlich unglücklicher als zuvor. Vom sportlichen, motivieren Adriaan war nicht mehr viel übrig. „Aufstehen und weiter machen“ hatte also nicht so ganz geklappt. Ich war wirklich wütend, wirklich unglaublich wütend über mich selbst, sodass ich beschloss, von heute auf morgen alles zu ändern. Ein neue Adriaan van Veen.

Der Gaming-PC wurde verkauft, die Ernährung wurde radikal umgestellt. Jetzt gab es keine zuckerhaltigen Getränke, Brot, Nudeln oder Süßigkeiten mehr. Ab jetzt wurde Reis, Gemüse und mageres Putenfleisch gegessen dazu gab es Wasser, Tee oder Cola Zero (nicht unbedingt gesund, hat aber geholfen nicht so viel an Süßigkeiten zu denken) Außerdem sah ich das Fitnessstudio nun wieder vier Mal pro Woche von innen und trainierte fleißig. Trank meine Eiweißshakes und schon nach fünf Monaten hatte ich die 20 Kilogramm wieder abgenommen. Neues Selbstbewusstsein, ein tolles Körpergefühl und eine unglaubliche Motivation war der Dank für den Fleiß.

  • Dies wusste auch die BILD zu schätzen und so wurde mein Abnehmerfolg deutschlandweit abgedruckt. Ich erinnere mich noch, wie ich an dem Tag zur Tankstelle ging und mir eine BILD kaufte. Mein Vorher-Nachher-Bild war direkt auf der Titelseite. Die Verkäuferin scannte die Zeitung ein, schaute mich an, dann fiel ihr Blick wieder auf die Zeitung und sie fragte mich: „Sind Sie das da auf dem Bild?“ Ich war etwas beschämt aber auch irgendwie stolz und nickte mit einem Lächeln. Ich ging mit einem breiten Grinsen aus Tankstelle und fühlte mich wie ein Promi. Ich bekam auf einmal von Menschen Nachrichten gesendet die ich gar nicht kannte und die mir gratulierten – das war ein schönes Gefühl. Mein erster Kontakt mit der Presse und es ging weiter. Kurze darauf bekam ich einen Anruf vom NDR-Fernsehen, welches eine Dokumentation über gesundes Abnehmen mit mir drehen wollten. Das Kamerateam besuchte mich in meinem Fitnessstudio und drehte eine Reportage über mich. Natürlich schaute das ganze Fitnessstudio beim Dreh zu, was irgendwie cool war aber auch ungewohnt. „All eyes on me“. Das Drehen war kein Problem, Angst hatte ich nur vor dem Interview, was zum Glück gut verlief. Nun kam eins zum anderen, Fotografen schrieben mich an und wollten Fotos von mir machen. Erst lehnte ich ab, weil ich nicht das Gefühl hatte selbstsicher genug zu sein um vor der Kamera eine gute Figur abzugeben. Dann sagte eine Stimme in mir: Warum nicht, versuch doch mal was Neues, trau dich doch mal was, komm aus deiner verdammten Komfort-Zone raus. Und so begann mein Einstieg in die Modelwelt die mich bis zur Fashion Week Berlin brachte.

Weiter geht es im nächsten Heft.

Fotos: Maik Rietentidt

Kategorien
Kolumne-Adriaan PEOPLE

Mitten aus dem Leben von – Adriaan van Veen

Du alleine bist dafür verantwortlich, was du bist und jemals sein wirst!

Mein Lehrer mochte mich halt nicht, mein Chef hat Schuld, dass ich nie in eine höhere Position gekommen bin oder ich habe einfach kein Glück oder Talent. So denken die meisten Menschen, denen ich begegnet bin. Sie finden sich mit dem ab, was sie haben. Arbeiten von Montag bis Freitag und dann ist Wochenende. Lieber ein sicherer Job als ein Risiko eingehen. Zur Arbeit gehen, ein Haus abzahlen und mit 67 dann anfangen „zu leben“.

Seinen Lebensweg muss natürlich jeder für sich selbst definieren und beschreiten. Für mich persönlich ist es aber eine schreckliche Vorstellung. Denn ich bin der Meinung, dass in jedem Menschen unzählige Talente schlummern jeder kann mit mehr oder weniger Fleiß alles erreichen, was er oder sie will und niemand kann das ändern als du selbst. Aber es ist natürlich immer einfacher, den anderen die Schuld dafür zu geben. Damit gibst du Verantwortung ab und bist fein raus aus der Sache und fühlst dich in deiner Komfortzone sicher. So habe ich auch lange gedacht. Bis mir bewusst wurde, dass ich nicht erst am Sterbebett erkennen möchte, was für Chancen ich verpasst und Talente nicht genutzt habe!

Warum habe ich in keinem Job gearbeitet, der mich wirklich erfüllt und glücklich macht? Warum alles so machen, wie die meisten es tun? Also fing ich mit 14 Jahren an (im Schulunterricht in den Fächern, die mich nicht interessierten), programmieren zu lernen und verkaufte meine erste Webseite, als ich 16 Jahre alt war.

Nach der Schule brach ich mein Studium in Anwendungsentwicklung am b.i.b. international College ab. Mit 21 Jahren war ich selbstständiger Webdesigner, arbeitete als Freelancer ohne Ausbildung in einer großen Software-Firma. 2015 gründete ich meine erste GmbH, ein Jahr später die zweite mit 25 Mitarbeitern. Doch im Jahr 2016 war alles, was was ich mir erträumt und aufgebaut hatte von heute auf morgen weg. 650.000 Euro in den Sand gesetzt. Die Firma hatte ich mit drei weiteren Gesellschaftern gegründet. Und ich hatte das Dilemma vor Augen. Aber niemand hörte auf mich. „Du hast doch nicht mal eine Ausbildung“ und „du bist noch so jung“ waren die Antworten. Was keiner erwähnte, war, dass ich das Marketing und die Designs bis dahin übernommen hatte, wodurch wir auch teilweise erst soweit gekommen waren.

Es kam also wie es passieren sollte: Wir meldeten Insolvenz an. Und auch wenn ich weiß, dass ich alle gewarnt hatte, so fühle ich mich doch mitschuldig. Ich hatte die Zeichen kommen sehen und hätte rechtzeitig aussteigen sollen.

Am Ende blieb mir kein Cent. Viele würden jetzt vielleicht sagen: „Verlierer“ oder „war klar, dass er es nicht schafft“. Das sind oft die, die nur wenig im Leben riskieren. Meine Welt war zerstört. Alles woran ich sieben Tage die Woche gearbeitet hatte, meine Träume, meine Visionen waren einfach zerbrochen und jetzt? Du bist 28 Jahre und kannst nichts anderes. Was würdest du tun? Eine Festanstellung in einer Web-Agentur? Etwas ganz Neues lernen? Im Jammern ersticken? Tatsächlich war ich einige Zeit in ein großes Loch gefallen, ich wusste nicht mehr weiter und dann habe ich mir gesagt: Akzeptiere die Lage, die du nicht ändern kannst, denn nur du kannst dich selbst daraus befreien!

Weiter geht es im nächsten Heft.

 

Bilder: Oliver Betke