„Erfolg wartet außerhalb Deiner Komfortzone“

Kolumne von Adriaan van Veen

„Erfolg wartet außerhalb Deiner Komfortzone“

Hast du einen Plan-B wenn es mit dem Schauspiel nicht klappt?

Eine Frage, die ich nur zu oft gestellt bekommen habe. Meine Antwort darauf lautete immer: Wer einen Plan-B als Backup bereithält, behält sich die Option des Scheiterns vor und nutzt nicht all seine Energie für Plan A. Mit Scheitern ist nicht gemeint, Fehler zu begehen, sondern viel mehr niemals aufzugeben. Viele Fehler zu machen und daraus zu lernen, ist der schnellste Weg sich weiterzuentwickeln.

Folgender Satz meiner damaligen Model-Agentur-Chefin, war der Auslöser dafür, dass ich mich auf die Suche nach einem Schauspielcoach machte. „Es wäre gut, wenn du ein wenig Schauspielunterricht nehmen würdest, um dich in deinen E-Castings für Werbespots zu verbessern“.

Gesagt, getan. Ein Facebook-Post und drei Nachrichten später, hatte ich die private Handynummer von Francisco Javier Medina, auch bekannt als Maximilian von Altenburg aus der Erfolgsserie „Alles was Zählt“, die täglich bei RTL läuft. Wir hatten ein wirklich tolles Gespräch an dessen Ende mich Francisco fragte, ob ich nicht einfach nächstes Wochenende nach Köln zu seinem Profi-Schauspiel-Workshop kommen wollte, er hätte aus dem Gespräch mit mir ein gutes Gefühl. Ich sagte blind zu ohne groß zu überlegen, ansonsten hätte mich meine Angst vermutlich daran gehindert.

Ich bereitete eine Szene vor, die wir zugesendet bekommen hatten, diese war zu meiner Verwunderung auf Englisch. Ich verstand zwar Englisch gut und konnte mich auch unterhalten, aber eine Szene auf Englisch zu spielen war dann doch eine große Herausforderung. Was meine Nervosität zusätzlich steigerte war der Tatsache geschuldet, dass wir vor Castern aus der TV-Branche vorspielen sollten.

Sieben Tage später war ich in Köln und tauchte in eine komplett neue Welt ein. Eine Welt voller Emotionen, Gefühlen und die Frage wer bin ich eigentlich und wie sehen mich andere? Ich fühlte mich auf Anhieb wohl, weil ich so akzeptiert wurde wie ich bin und das erste Mal wirklich Gefühle zulassen konnte. Der Workshop, die Menschen und das Schauspielen, war das Schönste was ich bisher erfahren durfte. Es war zugleich der Beginn einer neuen Lebenseinstellung für mich.

Mein Bild vom Schauspielen wurde komplett neu definiert. Das liegt unter anderem daran, dass wir das Wort Schauspieler oft falsch interpretieren. Als „Schauspieler“ bezeichnet man oft Menschen die vorgeben etwas zu sein, etwas vorspielen oder lügen. Ein guter Schauspieler spielt nicht, sondern handelt aus echten Emotionen und Erinnerungen heraus. Das englische Wort „Actor“ (to act = handeln) passt deutlich besser auf den Beruf. Durch den Workshop wurde mir erst bewusst wieviel mehr hinter diesem Beruf steckt als einfaches Text lernen. Das wurde mir besonders bewusst als ich meine Szene im Workshop vorspielte und auf eine Spielsituation folgendes Feedback bekam. „Das ist das schlechteste wie man spielen kann“.

Ich war so geschockt, gleichzeitig sauer und verletzt. Dabei war es nicht böse gemeint, sondern ehrlich und direkt. Ich ließ mir meine Emotionen allerdings nicht anmerken. Man erster Gedanke war: „Fick dich“. Mein zweiter: Schauspielen ist nichts für mich. Mein dritter Gedanke: JETZT ERST RECHT, ICH ZEIGS EUCH ALLEN. ICH WERDE SCHAUSPIELER!

Mit 29 alles über Bord zu werfen, was man sich bis dato aufgebaut hatte und sich dem zu widmen, was man vom ganzen Herzen wollte, war ein großer Schritt für mich. Während meiner Schulzeit in der Freien Waldorfschule Hannover-Bothfeld spielte ich bereits Theater und stand für Der Meisterdieb, Viel Lärm um nichts von William Shakespeare und San Diego von David Greig auf der Bühne. Allerdings drückte ich mich immer vor den großen Rollen. Der Grund war die Angst zu versagen, den Text zu vergessen oder nicht gut genug zu sein. Jetzt allerdings wollte ich dies umso mehr.

Francisco Medina wurde mein Mentor und half mir sehr, mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Ich nahm Einzelunterricht, besuchte weitere Workshops, trainierte meine Stimme, schaute Videos, las Bücher und knüpfte Kontakte. Außerdem begann ich zu meditieren, meine Ziele zu visualisieren und Affirmationen in meine Morgenroutine einzubauen.

Drei Monate später besuchte ich einen weiteren Workshop und spielte wieder eine Szene vor Castern und Schauspielern vor, diesmal hatte ich eine Spielpartnerin. Die Szene lief nicht wirklich gut aber ich gab mein bestes. Man muss sich immer vor Augen halten, dass jeder bei null anfängt. Über Nacht berühmt zu werden, dauert oft viele Jahre. Als unser Schauspiellehrer mit mir in einer Situation nicht weiterkam, sagte er kurzerhand: „Stell dich auf einen Stuhl und sing deinen Text“. Ich dachte mir nur: „Alles, bloß nicht singen…“. Welche Optionen bleiben dir in dieser Situation? Du kannst es verweigern, du kannst es vorsichtig versuchen oder du lässt alle deine Zweifel und Ängste hinter dir, verlässt deine Komfortzone und gibst 120 Prozent. Es war nicht wirklich berauschend, aber darum ging es ja auch gar nicht. Ich war einfach viel zu festgefahren und überlegte zu viel anstatt einfach alles loszulassen und im Moment zu sein. Das Ende vom Lied war, dass mir meine Spielpartnerin die alleinige Schuld für die missglückte Szene gab. Das Karma war allerdings anderer Ansicht und so erhielt ich meine erste kleine Rolle in einem Dokudrama mit zwei Drehtagen für arte. Sie allerdings, ging leer aus. Danke an dieser Stelle an den Regisseur Andreas Morell, der mir diese Chance gegeben hat. Jetzt hatte ich Blut geleckt und wollte mehr. Ich bewarb mich täglich auf verschiedenste Rollen und kam so zu weiteren TV-Projekten.

Doch es wäre zu schön gewesen wenn alles weiterhin nach Plan gelaufen wäre. Der Satz „Willkommen in der TV-Branche“ bekam einen ganz neue Bedeutung. Welche negativen Erfahrungen ich mit der Presse machte und wie ich mit Neid und falschen Aussagen lernen musste umzugehen, erfahrt ihr im nächsten Heft.

Instagram: @adriaan.vanveen

Fotocredits:

1-3 3B-Produktion

4-5 Adriaan van Veen

6-7 Francisco Medina

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