Vom Webdesigner und Programmierer direkt ins Scheinwerferlicht.

Vom Webdesigner und Programmierer direkt vor die Kamera ins Scheinwerferlicht. Wie passt das zusammen? Gar nicht! Muss es aber auch nicht. Warum muss immer alles direkt einen Sinn ergeben oder zusammenpassen? Warum kann man nicht einfach mal zwanglos und ohne Vorurteile Dinge ausprobieren?

Ein ehemaliger Kunde für den ich vor einigen Jahren ein Webprojekt realisiert habe, nahm mich auf ein Fotoevent mit. Nervös und ohne jegliche Erfahrung wagte ich mich an das Abenteuer „4-Tage-Shooting“ mit unterschiedlichen Fotografen. Ich hätte mich auch zunächst einen Tag versuchen können aber nein Adriaan musste natürlich wieder den „120%-Modus“ einschalten. Ganz oder gar nicht.

Bei meinen ersten Shootings wurde mir erst bewusst, dass ich zwei Arme am Körper hatte und mich fragte, was soll ich eigentlich mit denen machen? Vielleicht in die Hosentasche stecken, verschränken oder doch in die Hüfte stützen? Ach und wohin soll ich eigentlich schauen? Man musste seinen eigenen Körper ganz neu kennenlernen und vor allem das Gespür dafür entwickeln, ihn richtig und auf „Knopfdruck“ einzusetzen. Die eigene Wahrnehmung wurde eine ganz andere.

Die 4 Tage hatten es in sich und waren wirklich anstrengend, machten aber auch unglaublich viel Spaß. Ich machte Fehler, lernte daraus und wurde besser. So kam es, dass ich mit den meisten Shootings und Fotos nach Hause ging. Das bemerkten auch die anderen Teilnehmer, was nicht von allen positiv aufgenommen wurde. Sie begannen hinter meinem Rücken über mich zu reden, allerdings hatten diese Gespräche keinen konstruktiven Charakter. Als mir einige Dinge davon später zu Ohren kamen, verletzte mich das sehr und ich dachte mir, vielleicht ist diese Welt doch nichts für mich.

Nicht mit mir! Jetzt erst recht! Ich ließ mir eine Setcard erstellen und bewarb mich bei knapp 50 „People-Agenturen“ die Models für Kataloge oder TV-Werbung suchten. Nach einigen Castings nahmen mich 10 davon auf. Mein erstes E-Casting war damals für Elitepartner. Wenn ich mich zurück erinnere, kann ich nur darüber lachen wie ich versuchte, mit einem sexy Blick über die Schulter mit der Kamera zu flirten. Besetzt wurde ich nicht. Ich übte weiter und drehte bald für eine Zahnarztpraxis. Darauf folgten Modeshows für die Produktline SebMan von WELLA Deutschland. Mein Highlight war die Fashion Week in Berlin, wo ich für Harald Glööckler laufen durfte.

Parallel passierte allerdings noch etwas anderes. Ich verfolgte die immer wieder standfindenden Miss- und Mister-Wahlen der Miss Germany Corporation in der Ernst-August-Galerie und fand es unglaublich mutig, auf einer Bühne vor Publikum zu reden, zu laufen und dies von einer Jury bewerten zu lassen. Ich dachte mir: So eine Schärpe hätte ich auch gerne. Hätte aber nie gedacht das ich mich jemals trauen würde, bei solch einer Wahl teilzunehmen.

Zunächst machte ich allerdings beim Model-Casting für den Mode-Preis-Hannover mit, wurde aber zu meiner Enttäuschung nicht genommen. Durch meinen lieben Freund Günther Krabbenhöft bekam ich dafür einen Platz in der ersten Reihe der Modenschau. Neben mir saß Sandra Czok, die ich damals nur flüchtig kannte. Knapp daneben saß Rolf Eisenmenger vom Herrenausstatter LO&GO, den ich kennenlernte und ihn von meinen Plänen bei der Mister Bremen Wahl teilzunehmen unterrichtete. Eine Woche später befand ich mich in seinem Laden, wurde vermessen und trat eine Woche später mit einem Maßanzug von ihm bei der Mister Bremen Wahl an. Ich glaube ja nicht an Zufälle und so siegte ich in Bremen und erhielt den Titel Mister Bremen 2018/2019. Damit war ich automatisch Finalist der Mister Germany Wahl 2019.

Einige Sieger aus den anderen Bundesländern hatten offenbar gedacht, dass dir mit solch einer Schärpe Tore und Türen offen stehen und die Medien sich nur so auf dich stürzen würden. Dem war aber nicht so und so machte ich mich selbst daran, auf die Medien zuzugehen. Sat 1 hatte Interesse und drehte mit mir eine kurze Reportage „Wie Adriaan van Veen sich auf die „Mister Germany“-Wahl vorbereitet“. Auch die BILD, Weser Kurier, Neue Presse und weitere Zeitschriften schrieben Artikel. Mein Einsatz wurde damit belohnt, dass ich selbst Jury-Mitglied bei der nächsten Miss Schleswig-Holstein-Wahl 2019 wurde und eine Miss Wahl aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen durfte.

Danach wurde es ernst. Es ging für 2 Wochen nach Ägypten ins traumhafte Mister-Germany-Camp. „Das wird ein schöner Urlaub“, dachte vermutlich der ein oder andere. Die Tage unter Palmen verbrachten wir aber nicht im Liegestuhl am Meer. Wir hatten Fotoshootings, Interview-Trainings, Fitnesskurse, Knigge-Unterricht und übten an einer Tanz-Show mit dem Choreographen Kenny Dressler von den Sixx Paxx. Nach dem Kniggekurs machte das Essen allerdings nur noch halb soviel Spaß, da man auf alles achten musste und ständig unter Beobachtung stand. Es herrschte absolute Pünktlichkeit und Disziplin. Ein wenig Freizeit gab es dann aber doch. Diese nutzte jeder anders. Manche verbrachten die Zeit am Pool, andere lernten weiter die Tanzschritte oder verbrachten die Zeit im Outdoor-Fitnessstudio.

Nach 14 Tagen ging es zurück ins kalte Deutschland. Nun war der große Tag gekommen. Die Abläufe und Choreographien wurden immer und immer wieder geprobt. Abends war es dann soweit. Die Jury war prominent besetzt und der Saal brechend voll. Ich erhielt die Startnummer 1. Tausend Gedanken gehen dir kurz vor der Show durch den Kopf. Wie zum Beispiel: Bekomme ich alle Abläufe hin, hoffentlich vergesse ich die Tanzschritte nicht. Wie wird das Interview laufen? Und dann geht die Musik an und du weißt jetzt musst du daraus und abliefern. Du hast nur eine Chance. Die Scheinwerfer knallen dir mit voller Wucht ins Gesicht. Es ist unglaublich warm, das Publikum ist kaum zu sehen, so hell ist es, aber durch das Adrenalin was durch dein Blut schießt bist du sowieso ab der ersten Sekunde in deinem Film. Eine wahnsinnige Show, mega Stimmung und dann die Erleichterung: Alles hat geklappt. Glücksgefühle strömen durch deinen Körper, doch weiterhin bleibt die Frage, wie hat sich die Jury entschieden? Ich kam nicht unter die Top 5. Zu meiner Verwunderung machte mich das aber gar nicht traurig. Im Gegensatz zu vielen anderen, die entweder wütend oder extrem enttäuscht waren. Noch am selben Abend fasste ich den Entschluss: Wenn ich schon nicht Mister-Germany wurde, will ich dennoch der bekannteste Mister aus diesem Jahr werden. Durch meine eigene PR-Arbeit wurde ich bald zu unzähligen Events eingeladen und die Presse berichtete. Jedes Event brachte neue Einladungen hervor und ich baute mir ein riesiges Netzwerk in ganz Deutschland auf.

Viele haben mich gefragt, wie ich das hinbekommen habe. Darauf habe ich immer gesagt: Nur weil du eine Schärpe trägst, bist du nicht besser als andere. Bleib auf dem Boden und begegne allen Menschen auf Augenhöhe. Das haben die Menschen gemerkt. Ich bin immer offen auf jeden zugegangen und habe mich vorgestellt. Du weißt nämlich nie, wer tatsachlich vor dir steht. Mich freut es immer wieder zu hören, wenn Menschen zu mir sagen, du bist ja total normal, gar nicht eingebildet oder abgehoben. Das ist für mich das größte Kompliment. Warum sollte ich auch, ich bin ein Mensch wie jeder andere auch.

Meine Reise sollte weitergehen und zwar ohne Schärpe. Mein Weg ins Fernsehen gibt es im nächsten Heft.

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Fotos: Shace und Oliver Vosshage (zu finden direkt in der Bildunterschrift)

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